Starkregen & Wasser in der Stadt

Das Schwammstadt-Prinzip: Regenwasser als Ressource

Wie das Schwammstadt-Prinzip Regenwasser speichert statt ableitet: Bausteine, Wirkung gegen Starkregen und Hitze, Grenzen und Förderwege für Kommunen.

Artur Kislitsyn
Artur Kislitsyn

Stadt- & Umweltplanung · Khoch3 KlimaKarten

Kurz gesagt. Das Schwammstadt-Prinzip (englisch „Sponge City") kehrt die klassische Entwässerung um: Statt Regenwasser möglichst schnell in den Kanal zu leiten, hält die Stadt es zurück, speichert es und gibt es verzögert ab oder lässt es verdunsten. Das entlastet bei Starkregen den Kanal und liefert bei Hitze Kühlung durch Verdunstung. Bausteine sind entsiegelte Flächen, Mulden, Rigolen, begrünte Dächer, Baumrigolen und multifunktionale Flächen, die im Ernstfall fluten dürfen.

Warum das für Ihre Kommune zählt. Die klassische Devise „Wasser weg, so schnell wie möglich" stößt an zwei Grenzen: Bei Starkregen ist der Kanal überlastet, in Hitzeperioden fehlt Wasser für Kühlung und Grün. Das Schwammstadt-Prinzip adressiert beide Probleme mit denselben Maßnahmen. Für Sie in der Planung heißt das: Investitionen in Rückhalt zahlen doppelt ein, Überflutungsvorsorge und Hitzevorsorge zugleich.

Wie funktioniert eine Schwammstadt konkret?

Das Prinzip arbeitet mit einer Kette aus Rückhalt und Versickerung. Regen fällt auf eine durchlässige oder begrünte Fläche, versickert dort oder wird in einer Mulde, Rigole oder Zisterne zwischengespeichert. Von dort versickert er langsam ins Grundwasser, verdunstet oder wird gedrosselt in den Kanal abgegeben. Entscheidend ist die Verzögerung: Nicht die gesamte Regenmenge trifft gleichzeitig auf das Kanalnetz. Ergänzend übernehmen multifunktionale Flächen, ein tiefergelegter Sportplatz, ein Quartiersplatz, im Extremfall die Rolle eines temporären Rückhaltebeckens.

Welche Bausteine gehören dazu?

Zu den gängigen Elementen zählen:

  • begrünte Dächer, die Regen speichern und verzögert abgeben
  • Baumrigolen, die Straßenbäume mit Wasser versorgen und zugleich Abfluss puffern
  • Versickerungsmulden und Rigolen in Grünflächen
  • durchlässige Beläge auf Wegen und Parkplätzen
  • sowie die Entsiegelung versiegelter Flächen als Grundvoraussetzung. Kein Element wirkt allein, die Schwammstadt entsteht aus der Summe vieler kleiner Rückhalte über das ganze Quartier verteilt

Wo lässt sich das am ehesten umsetzen?

Am wirksamsten sind Maßnahmen dort, wo ohnehin gebaut wird: Straßensanierungen, Platzumgestaltungen, Neubaugebiete. Hier lässt sich Rückhalt mit geringem Mehraufwand integrieren. Im Bestand ist die Nachrüstung teurer und stößt auf Leitungen, Baumbestand und Nutzungsansprüche. Deshalb empfiehlt sich, Schwammstadt-Elemente als festen Standard in Bauleitplanung und Sanierungsroutinen zu verankern statt sie als Einzelprojekte zu behandeln.

Die ehrliche Grenze. Eine Schwammstadt puffert, sie ist kein Allheilmittel. Ihre Speicherkapazität ist begrenzt: Bei einem extremen, lang anhaltenden Regen sind Mulden und Rigolen irgendwann gesättigt, dann fließt Wasser wie zuvor oberflächlich ab. Versickerung setzt zudem durchlässigen Untergrund und ausreichenden Grundwasserabstand voraus, auf Lehm oder bei hohem Grundwasserstand funktioniert sie nur eingeschränkt. Und die Elemente brauchen Pflege: Eine verschlämmte Mulde versickert nicht mehr.

Wann sich KomAdapt lohnt. Schwammstadt-Elemente entfalten ihre Wirkung im Zusammenspiel vieler Standorte. Die Herausforderung ist, die Flächen mit dem größten Nutzen zu finden, Maßnahmen zu priorisieren und die Wirkung über die Zeit zu belegen. KomAdapt verbindet Betroffenheitsanalyse, Maßnahmenplanung und Wirkungsmonitoring, sodass Sie sehen, wo Rückhalt am meisten bringt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Schwammstadt einfach erklärt?

Eine Schwammstadt nimmt Regenwasser auf wie ein Schwamm: Sie speichert es in durchlässigen Flächen, Mulden und Grün, statt es sofort abzuleiten. Bei Starkregen wird der Kanal entlastet, bei Hitze kühlt die Verdunstung.

Hilft eine Schwammstadt auch gegen Hitze?

Ja. Gespeichertes Wasser verdunstet in Hitzeperioden und kühlt die Luft; zugleich versorgt der Rückhalt Straßenbäume und Grünflächen. Das macht sie gegenüber rein technischen Lösungen wirtschaftlich attraktiv.

Was kostet die Umsetzung?

Je nach Element und Standort. In laufende Bauvorhaben integriert, ist der Mehraufwand oft moderat; die nachträgliche Umrüstung im Bestand ist teurer. Unterhaltungskosten von Anfang an einplanen.

Gibt es Förderung?

Ja. Investive naturbasierte Maßnahmen sind über den Anpassungsbereich der Kommunalrichtlinie förderfähig (bis 70, für finanzschwache Kommunen bis 90 Prozent). Hinzu kommen Landesprogramme (Stand: Mitte 2026).

Funktioniert das Prinzip auf jedem Boden?

Nein. Versickerung setzt durchlässigen Untergrund und Abstand zum Grundwasser voraus. Auf Lehm oder bei hohem Grundwasserstand verschiebt sich der Fokus auf Speichern, Verdunsten und gedrosseltes Ableiten.

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