Überflutungsvorsorge und wassersensible Stadtentwicklung
Wie Kommunen Überflutungsvorsorge in die Stadtentwicklung einbauen: Notwasserwege, wassersensible Planung, Regelwerk und Zusammenspiel mit Gefahrenkarte und Rückhalt.

Stadt- & Umweltplanung · Khoch3 KlimaKarten
Kurz gesagt. Überflutungsvorsorge heißt, die Stadt so zu planen und zu bauen, dass Wasser bei Starkregen geordnet abfließt und dort landet, wo es geringen Schaden anrichtet. Wassersensible Stadtentwicklung macht daraus ein Planungsprinzip: Regenwasser wird von Beginn an mitgedacht, über Notwasserwege, Rückhalteflächen, angepasste Höhenlagen und Freihaltung von Fließwegen. Sie ergänzt den Kanal, statt ihn zu ersetzen, und verbindet Überflutungs- mit Hitzevorsorge.
Warum das für Ihre Kommune zählt. Jedes Neubaugebiet und jede Umgestaltung entscheidet für Jahrzehnte, wie Wasser sich verhält. Wer Fließwege zubaut oder Senken bebaut, schafft die Schäden von morgen. Umgekehrt kostet es wenig, Wasser bei der Planung mitzudenken, eine leicht abgesenkte Grünfläche, eine bewusst gesetzte Bordsteinkante, ein freigehaltener Korridor. Für Sie in der Planung ist das der günstigste Zeitpunkt für Vorsorge: bevor gebaut ist.
Was unterscheidet wassersensible Stadtentwicklung von klassischer Entwässerung?
Klassische Entwässerung leitet Wasser unsichtbar und schnell in den Untergrund. Wassersensible Stadtentwicklung macht Wasser sichtbar und plant seinen Weg an der Oberfläche mit. Der Leitgedanke: Bei einem Extremregen, den kein Kanal fassen kann, soll das Wasser kontrolliert über Straßen und Freiflächen zu unschädlichen Rückhalteorten laufen, nicht in Keller und Tiefgaragen. Das erfordert, Höhenlagen, Bordsteine und Freiflächen bewusst zu gestalten.
Wie planen Sie Notwasserwege richtig?
Ein Notwasserweg ist eine bewusst gestaltete Route, auf der Wasser bei Überlastung des Kanals abfließt, meist eine Straße, ein Grünzug oder ein Muldensystem. Grundlage ist die Starkregengefahrenkarte, die die natürlichen Fließwege zeigt. Planung heißt: diese Wege freihalten, gefährdete Gebäudezugänge höher legen, das Wasser zu einem tolerierbaren Ziel führen, etwa eine Fläche, die kurzzeitig fluten darf. Multifunktionale Flächen aus dem Schwammstadt-Prinzip übernehmen hier die Rolle des Rückhalts.
Wie verankern Sie Vorsorge dauerhaft in der Planung?
Einzelmaßnahmen reichen nicht; Vorsorge muss Routine werden. Wirksame Hebel sind Festsetzungen im Bebauungsplan (Höhenlagen, Rückhaltevolumen, maximaler Abfluss), Vorgaben zur Regenwasserbewirtschaftung und die frühe Beteiligung der Wasserwirtschaft bei jedem Bauleitverfahren. Das DWA-Merkblatt M 119 und das Arbeitsblatt DWA-A 102 liefern den fachlichen Rahmen. Je früher Wasser im Verfahren auftaucht, desto günstiger und wirksamer die Lösung.
Die ehrliche Grenze. Wassersensible Planung wirkt vor allem im Neubau und bei Umgestaltungen. Der Bestand lässt sich nur langsam und in Bauzyklen umbauen; über Nacht wird keine Stadt wassersensibel. Notwasserwege setzen Flächen voraus, die im dicht bebauten Bestand oft fehlen. Und geordnetes Fluten heißt bewusst in Kauf genommener Schaden an definierten Stellen, das erfordert politische Verständigung darüber, wo Wasser stehen darf.
Wann sich KomAdapt lohnt. Wassersensible Stadtentwicklung verlangt, Gefahrenlage, betroffene Objekte und geplante Maßnahmen über viele Bauvorhaben hinweg im Blick zu behalten. KomAdapt hält diese Informationen in einem Modell zusammen und macht nachvollziehbar, welche Vorsorge wo greift und wie sie wirkt.
Häufige Fragen
Was ist wassersensible Stadtentwicklung?
Ein Planungsansatz, der Regenwasser als festen Bestandteil der Stadtgestaltung behandelt: Rückhalt, Versickerung, Verdunstung und geordnete oberflächliche Abflusswege werden mitgeplant. Sie verbindet Überflutungsvorsorge, Hitzevorsorge und Stadtgestaltung.
Was ist ein Notwasserweg?
Eine bewusst gestaltete Route, über die Wasser bei Überlastung des Kanalnetzes kontrolliert zu einer unschädlichen Rückhaltefläche abfließt. Grundlage für die Festlegung ist die Starkregengefahrenkarte.
Ist Überflutungsvorsorge gesetzlich vorgeschrieben?
Anders als die Hochwasservorsorge nach EU-Richtlinie ist Starkregen-Überflutungsvorsorge nicht flächendeckend verpflichtend. Über das Klimaanpassungsgesetz und Landesgesetze sowie das DWA-Regelwerk wird sie faktisch zum erwarteten Standard.
Wie hängen Gefahrenkarte, Schwammstadt und wassersensible Planung zusammen?
Sie bauen aufeinander auf: Die Karte zeigt, wo Wasser fließt; das Schwammstadt-Prinzip liefert die Bausteine zum Rückhalt; wassersensible Stadtentwicklung fügt beides in die Planung ein.
Kann man Bestandsquartiere wassersensibel umbauen?
Ja, schrittweise entlang der Bauzyklen: Straßensanierung, Platzumgestaltung, Kanalerneuerung. Ein komplettes Umbauen in einem Zug ist selten realistisch; wichtig ist ein Zielbild.
