Starkregen & Wasser in der Stadt

Starkregengefahrenkarte: Grundlage der Überflutungsvorsorge

Was eine Starkregengefahrenkarte zeigt, wie sie entsteht und wie Kommunen sie nutzen: Szenarien, Datengrundlagen, Kosten und Förderung im praktischen Überblick.

Stephan Grabner
Stephan Grabner

Geodaten/GIS & Klimaanalyse · Khoch3 KlimaKarten

Kurz gesagt. Eine Starkregengefahrenkarte zeigt für definierte Regenszenarien, wo Wasser oberflächlich abfließt, wie tief es steht und wie schnell es fließt. Sie entsteht aus einer hydraulischen Simulation auf Basis eines genauen Geländemodells. Sie ist die Datengrundlage für jede weitere Vorsorge, ohne sie lassen sich Gefährdung, Betroffenheit und Maßnahmen nicht seriös bewerten. Sie ist kein Schutz an sich, aber die Voraussetzung dafür.

Warum das für Ihre Kommune zählt. Bei Starkregen fließt Wasser nicht dorthin, wo man es vermutet, sondern dorthin, wo das Gelände es leitet. Eine Straße wird zum Bach, eine Unterführung zur Wanne. Die Gefahrenkarte macht diese Fließwege sichtbar, bevor das Ereignis eintritt. Für Sie heißt das: Sie können Bauleitplanung, Objektschutz und Notfallplanung auf Fakten stützen statt auf Erfahrungswerte.

Was zeigt eine Starkregengefahrenkarte genau?

Die Karte stellt für ein oder mehrere Szenarien die Überflutungstiefe und teils die Fließgeschwindigkeit dar. Üblich sind gestufte Szenarien: ein seltenes Ereignis (etwa hundertjährlich) und ein außergewöhnliches Ereignis, das über die Bemessung des Kanalnetzes hinausgeht. Je nach Szenario verschieben sich die betroffenen Flächen deutlich. Wichtig: Die Karte zeigt Szenarien, nicht das nächste konkrete Ereignis. Sie ist ein Planungswerkzeug, keine Wettervorhersage.

Wie entsteht die Karte technisch?

Grundlage ist ein digitales Geländemodell mit hoher Auflösung, meist aus Laserscan-Daten (LiDAR). Darauf simuliert ein hydraulisches Modell, wie ein definierter Niederschlag oberflächlich abfließt, wo er sich sammelt und über Straßen weiterläuft. Gute Modelle berücksichtigen Bordsteine, Durchlässe, Gebäude und teils die Kanalkapazität (gekoppelte 1D/2D-Modelle). Die Qualität steht und fällt mit den Eingangsdaten: Ein grobes Geländemodell erzeugt eine grobe Karte.

Was fangen Sie in der Praxis mit der Karte an?

Die Karte ist der Startpunkt für mehrere Prozesse. Sie speist das Starkregenrisikomanagement, indem Sie die Fließwege mit betroffenen Objekten verschneiden. Sie fließt in die wassersensible Stadtentwicklung ein, damit Neubaugebiete Fließwege freihalten. Und sie dient der Feuerwehr als Einsatzgrundlage. Zusätzlich ist die Kommunikation an Anlieger wertvoll: Wer weiß, dass sein Grundstück auf einem Fließweg liegt, kann selbst vorsorgen.

Die ehrliche Grenze. Eine Gefahrenkarte modelliert, sie misst nicht. Sie beruht auf Annahmen zu Bodendurchlässigkeit, Kanalfüllung und Verklausung, die die Realität nur näherungsweise abbilden. Ein verstopfter Durchlass oder ein besonders trockener Boden verschiebt das reale Bild. Außerdem veraltet die Karte: Jede Neubebauung verändert Fließwege. Und die Karte schützt niemanden für sich.

Wann sich KomAdapt lohnt. Eine Gefahrenkarte beauftragen Sie bei einem Fachbüro. Der Aufwand beginnt danach: Fließwege mit Objektdaten verschneiden, Betroffenheit bewerten, Maßnahmen ableiten und dokumentieren. KomAdapt nimmt die Karte als Eingangsgröße auf und führt Betroffenheitsanalyse, Priorisierung und Reporting in einem Modell zusammen, statt die Verschneidung in wechselnden GIS-Exporten von Hand zu pflegen.

Häufige Fragen

Wer erstellt eine Starkregengefahrenkarte?

In der Regel spezialisierte Ingenieurbüros für Wasserwirtschaft. Die Kommune liefert Grundlagendaten und definiert die Szenarien. Manche Länder stellen landesweite Grundlagen bereit.

Was kostet eine Starkregengefahrenkarte?

Je nach Fläche und Detailtiefe; für kleinere Kommunen häufig im mittleren fünfstelligen Bereich. Ein Teil ist über die Kommunalrichtlinie förderfähig; interkommunale Vergabe senkt die Kosten (Stand: Mitte 2026).

Gibt es Starkregengefahrenkarten kostenlos vom Land?

Unterschiedlich je Bundesland. Einige Länder stellen landesweite Hinweiskarten bereit, teils gröber als eine kommunale Detailkarte. Prüfen Sie das Angebot Ihres Landesamts.

Wie unterscheidet sie sich von der Hochwassergefahrenkarte?

Hochwassergefahrenkarten nach EU-Hochwasserrichtlinie beziehen sich auf ausufernde Gewässer und sind gesetzlich vorgeschrieben. Starkregengefahrenkarten behandeln oberflächlichen Abfluss abseits von Gewässern und sind bislang nicht flächendeckend verpflichtend.

Wie oft sollte die Karte aktualisiert werden?

Weil jede Versiegelung Fließwege verschiebt, alle fünf bis zehn Jahre, bei größeren Bauvorhaben oder nach einem realen Ereignis früher.

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