Starkregen & Wasser in der Stadt

Starkregenrisikomanagement für Kommunen

Wie Kommunen ein Starkregenrisikomanagement aufbauen: von der Gefährdungsanalyse über die Priorisierung bis zum Maßnahmenkonzept, Schritte, Standards und Förderung.

Artur Kislitsyn
Artur Kislitsyn

Stadt- & Umweltplanung · Khoch3 KlimaKarten

Kurz gesagt. Starkregenrisikomanagement ist der strukturierte Weg von der Gefahr zur Maßnahme. Sie verbinden die Starkregengefahrenkarte (Wo steht wie viel Wasser?) mit der Verletzbarkeit von Objekten (Was ist dort betroffen?) und leiten daraus priorisierte Maßnahmen ab. Das anerkannte Vorgehen beschreibt das DWA-Merkblatt M 119. Es geht nicht um ein einmaliges Gutachten, sondern um einen fortlaufenden Prozess aus Analyse, Umsetzung und Überprüfung.

Warum das für Ihre Kommune zählt. Ohne systematische Priorisierung geben Sie Geld dort aus, wo gerade Druck entsteht, nicht dort, wo der größte Schaden droht. Ein Starkregenrisikomanagement macht sichtbar, welche Objekte (Kita, Pflegeheim, Umspannwerk) bei welchem Ereignis gefährdet sind, und welche Maßnahme das meiste Risiko pro Euro senkt. Das ist die Grundlage für belastbare Beschlussvorlagen und für Förderanträge.

Was gehört zum Starkregenrisikomanagement?

Das DWA-Merkblatt M 119 unterscheidet drei Bausteine. Erstens die Gefährdungsanalyse: eine hydraulische Simulation, die zeigt, wie Wasser bei definierten Szenarien oberflächlich abfließt, das Ergebnis ist die Starkregengefahrenkarte. Zweitens die Risikoanalyse: Sie legen die Gefahrenkarte über die tatsächliche Nutzung und bewerten, welche Objekte wie stark betroffen sind. Drittens das Handlungskonzept: kommunale, private und Verhaltensmaßnahmen, priorisiert nach Wirkung und Aufwand. Erst dieser dritte Schritt macht aus Daten Handeln.

Wie priorisieren Sie Maßnahmen sinnvoll?

Priorisierung heißt: Schadenspotenzial gegen Umsetzbarkeit abwägen. Ein Notwasserweg, der eine Unterführung entlastet, kann günstiger und wirksamer sein als der punktuelle Objektschutz an vielen Einzelgebäuden. Kriterien sind unter anderem die Zahl und Empfindlichkeit betroffener Objekte, die Eintrittswahrscheinlichkeit, die Kosten und die Frage, ob sich eine Maßnahme mit ohnehin anstehenden Bauvorhaben koppeln lässt. Wer Straßen saniert, kann Rückhalt oft mit geringem Mehraufwand mitplanen.

Wer muss mitwirken, damit es funktioniert?

Starkregenrisikomanagement ist keine Aufgabe eines einzelnen Amtes. Tiefbau und Stadtentwässerung bringen die Hydraulik, Stadtplanung die Flächennutzung, das Umweltamt die naturbasierten Ansätze, Feuerwehr und Ordnungsamt die Gefahrenabwehr. Ebenso wichtig: die privaten Eigentümer. Ein großer Teil des Objektschutzes, Rückstauklappen, angepasste Kellerzugänge, Barrieren, liegt in privater Hand. Ohne Aufklärung und Beteiligung bleibt das Konzept auf halber Strecke stehen.

Die ehrliche Grenze. Ein Risikomanagement bewertet und priorisiert, es baut nichts. Zwischen dem beschlossenen Konzept und der fertigen Maßnahme liegen Planung, Vergabe, Finanzierung und oft mehrere Haushaltsjahre. Und die Modelle rechnen mit Annahmen: Bodendurchlässigkeit, Verklausung von Durchlässen oder Kanalfüllung lassen sich nie exakt abbilden. Die Karte zeigt Szenarien, keine Prognose des nächsten Ereignisses.

Wann sich KomAdapt lohnt. Wenn Gefährdung, Objektbetroffenheit und Maßnahmen bei Ihnen in getrennten Dateien liegen, wird die Priorisierung zur Fleißarbeit und ist bei jeder Aktualisierung von vorn zu leisten. KomAdapt führt Risiko-, Priorisierungs- und Reporting-Schritte in einem Modell zusammen, sodass Sie die Wirkungslogik für Beschluss und Förderantrag direkt ableiten können.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gefahrenkarte und Risikomanagement?

Die Gefahrenkarte zeigt, wo bei einem bestimmten Regenereignis Wasser steht und fließt, die reine physische Gefahr. Das Risikomanagement bewertet, was betroffen ist, wie schwer der Schaden wäre und welche Maßnahmen ihn senken.

Welches Regelwerk gilt?

Zentral ist das DWA-Merkblatt M 119. Ergänzend liefern das DWA-Arbeitsblatt A 118 und Landesleitfäden Vorgaben. Diese Standards sind die Referenz, an der Förderanträge und Gutachten gemessen werden.

Was kostet der Aufbau?

Die hydraulische Gefahrenkarte als teuerster Posten liegt für kleinere Kommunen häufig im mittleren fünfstelligen Bereich, für große Städte höher. Ein Teil ist förderfähig (Stand: Mitte 2026).

Wie oft muss das Risikomanagement aktualisiert werden?

Es ist ein laufender Prozess. Anlass für eine Fortschreibung sind neue Bebauung, umgesetzte Maßnahmen, verbesserte Daten oder ein eingetretenes Ereignis. Orientierung: alle fünf bis zehn Jahre.

Können auch kleine Kommunen ein Starkregenrisikomanagement aufbauen?

Ja, in abgestufter Form. Interkommunale Zusammenarbeit senkt die Kosten. Wichtig ist ein realistischer Zuschnitt, der zur Personalkapazität passt.

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